BZ und Berliner Zeitung berichteten in der letzten Woche über das Buch einer Kollegin von der Albert-Schweitzer-Schule, in dem sie offenbar ihren gesammelten Frust aus mehreren Berufsjahren in Berlin zu Papier bringt. Frau Rogg ist Künstlerin, wie man leicht ergoogeln kann, und stammt aus Bayern. Beides erklärt sicher den Kulturschock, den sie erleiden musste, als sie nach Neukölln (N.-N.!) kam. Unerklärlich bleibt aber einerseits die Häme, mit der sie über ihre Ex-Kollegen herzieht ("Ein physisch und psychisch kaputtes Personal"), deren Namen, so hört man, sie so unzureichend verschlüsselt, dass jeder, der dieselben kennt, weiß, wer gemeint ist. Selbiges gilt für die Schüler, die - mehrheitlich mit Migrationshintergrund - ungezogen, aggressiv, intolerant, kurz unerträglich sind und noch als Abiturienten nicht richtig deutsch sprechen ("Gewalt und Sprachlosigkeit"). Frau Rogg fühlte sich als Lehrerin allein gelassen, da erst ihr 14. Umsetzungsgesuch positiv beschieden wurde. Nun sitzt sie an einem Gymnasium im Wedding, das nach Meinung einer Kollegin, deren Mann dort Jahrzehnte tätig war, kaum weniger Probleme haben dürfte, für die Autorin aber angeblich das Paradies ist. An all diesem stimmt so manches nachdenklich.
Natürlich hat man es mit bestimmten Fächern bei bestimmten Schülern nicht leicht, natürlich kann der Migrationshintergrund wie auch das "bildungsferne" Milieu Probleme bereiten, natürlich gibt es schwer erträgliche Kollegen. Aber diesen Verhältnissen ist man ja nicht nur passiv ausgeliefert, sondern man wirkt auch selbst an deren Gestaltung mit. Aus der Zeitungsberichterstattung ging nicht hervor, dass Frau Rogg ein im weitesten Sinne pädagogisches Selbstverständnis hätte, dass sie ihre Gestaltungsspielräume genutzt hätte.
Ich habe das Buch nicht gelesen und nicht die Absicht, es zu kaufen. Jedenfalls hat sich die werte Kollegin mit der Selbstinszenierung in der Öffentlichkeit keinen Gefallen getan. Möge Zehlendorf diese Gruselvorlage mit Gewinn lesen!
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Montag, 29. September 2008
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